Skip to main content

  • AddRemove
  • Build a Report 
Legal Update

Die Fußball-WM am Arbeitsplatz - Was ist erlaubt?

9 June 2010
Mayer Brown Legal Update

Alle vier Jahre ist es soweit: Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Fans auf der ganzen Welt fiebern diesem Ereignis entgegen. Und da der Fußballsport für viele weit mehr als nur die schönste Nebensache der Welt ist, würden viele den Spielen am Kap am Liebsten alles – auch ihre arbeitsvertraglichen Pflichten – unterordnen.

Mit diesem Legal Update möchten wir kurz darstellen, was erlaubt und verboten ist und wie der Arbeitgeber seine Interessen und die Interessen einer fußballbegeisterten Belegschaft in Einklang bringen kann.

Radio hören und Fernsehen

„Toni, Du bist ein Fußballgott“ — so lautete der Aufschrei, den Reporter Herbert Zimmermann 1954 per Radio in deutsche Wohnzimmer transportierte. Auch 2010 dürfen Arbeitnehmer den Übertragungen aus Südafrika an ihrem Arbeitsplatz lauschen, soweit die eigene Arbeitsleistung oder die der Kolleg(inn)en hierdurch nicht beeinträchtigt werden. Gerade in Positionen mit intensivem Kundenkontakt sind hier die Bedenken größer als bei reiner Sachbearbeitertätigkeit. In keinem Fall darf das Radio dazu führen, dass der Arbeitnehmer sich weniger auf seine Arbeitsleistung konzentriert.

Will der Arbeitgeber allgemeinverbindliche Regelungen bezüglich der Radionutzung schaffen, so muss er hierfür den Weg über eine Betriebsvereinbarung wählen, sofern ein Betriebsrat im Betrieb existiert. Es handelt sich um eine Frage der Ordnung des Betriebs im Sinne des § 87 Abs. 1 Nr.1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

Fernsehlegende Heribert Faßbender empfahl im Jahr 1990 „Schickt diesen Mann zurück in die Pampa“, nachdem der argentinische Schiedsrichter Rudi Völler vom Platz gestellt hatte. Wer wissen wollte, wieso der Kommentator den Schiedsrichter verwünschte, der musste das Spiel und Völlers offensichtliches Wohlverhalten gesehen haben. Fernsehen beansprucht neben dem Ohr auch das Auge. Der Arbeitnehmer ist hierdurch also stärker abgelenkt als durch bloßes Radio hören. Entscheidend ist auch hier wieder die Beeinträchtigung der eigenen Arbeitsleistung und der Arbeitsleistung der Kolleg(inn)en und auch hier gilt: Allgemeinverbindliche Regelungen erfordern die Mitbestimmung des Betriebsrats.

Private Internetnutzung

„Tor für Deutschland. Klose spritzt in den Querpass von Özil, der durch einen wunderbaren Diagonalball von Podolski eingesetzt wurde.“ Der Toralarm im Liveticker ist eine naheliegende Möglichkeit, sich schnell und nebenbei über jedes gefallene Tor zu informieren. Viele Internetdienstleister bieten einen solchen Service heutzutage an.

Als Inhaber des Internetzugangs steht es dem Arbeitgeber grundsätzlich frei, die Nutzungsmöglichkeiten einzuschränken. Zur privaten Nutzung durch den Arbeitnehmer bedarf es also immer einer Zustimmung, da keine Rechtspflicht zur Überlassung besteht. Eine solche Zustimmung, zumindest zur Nutzung in geringem Umfang, kann aber auch in der reinen Duldung der privaten Nutzung bestehen.

Hat der Arbeitgeber die private Nutzung des Internetzugangs verboten, kann ein Verstoß eine Abmahnung und gegebenenfalls eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen. Eine Erlaubnis zum maßvollen privaten Telefonieren im Betrieb kann nicht einfach auf den Bereich der Internetnutzung übertragen werden.

Auch wenn die private Nutzung am Arbeitsplatz erlaubt ist, ist das kein Freibrief. Wenn der Beschäftige ausschweifend privat surft und dadurch seine allgemeine Leistungspflicht verletzt, kann ihm eine Kündigung drohen. Wer also beispielsweise die Vorberichterstattung, die Spiele, die Pressekonferenz und das Auslaufen im Liveticker und Livestream verfolgt, könnte Probleme bekommen.

Da selbst eine Zustimmung Unsicherheiten in sich birgt, empfiehlt sich eine Regelung der privaten Internetnutzung durch einzelvertragliche Nebenabrede oder Betriebsvereinbarung. Eine solche kann auch befristet, zum Beispiel für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft, erteilt werden.

Alkohol am Arbeitsplatz

Neuvilles 1:0 in der Nachspielzeit gegen Polen 2006 oder Klaus Fischers Fallrückziehertor gegen Frankreich im Halbfinale 1982 – es gibt kaum schönere Momente für den Fußballfan. Aber darf der Sieg der eigenen Mannschaft am Arbeitsplatz auch mit Alkohol gefeiert werden? Ein absolutes Alkoholverbot für Arbeitnehmer am Arbeitsplatz besteht nicht. Ausgenommen sind hiervon lediglich Arbeitnehmer, deren vertragliche Arbeitsleistung keinerlei Alkoholgenuss erlaubt, wie zum Beispiel Kraftfahrer.

Allerdings unterliegt jeder Arbeitnehmer einem relativen Alkoholverbot: Er ist verpflichtet, seine Arbeitsfähigkeit nicht durch Alkoholgenuss zu beeinträchtigen und das Zusammenwirken der Arbeitnehmer im Betrieb nicht zu stören.

Auch ein absolutes Alkoholverbot kann aber durch Vereinbarung festgelegt werden. Besteht ein begründeter Verdacht einer alkoholbedingten Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und lehnt der Arbeitnehmer eine Alkoholkontrolle ab, sind arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie eine Abmahnung und gegebenenfalls eine Kündigung, zulässig, soweit der Arbeitnehmer den Verdacht nicht selbst durch einen objektiven Alkoholtest entkräftet. Eine Alkoholkontrolle am Arbeitsplatz bedarf aber stets der individuellen Zustimmung des Arbeitnehmers.

Frühzeitiges Entfernen vom Arbeitsplatz
Einige Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft werden bereits am Nachmittag angepfiffen. Nimmt das ein Arbeitnehmer zum Anlass, zu früh den Arbeitsplatz zu verlassen, um das Spiel zu verfolgen, so kann er hierdurch seine arbeitsvertraglichen Pflichten verletzen. Auch hier sind Abmahnung beziehungsweise Kündigung zulässige Reaktionsmöglichkeiten des Arbeitgebers. Für nicht geleistete Arbeitszeit kann er das Entgelt zurückhalten.

Im konkreten Einzelfall ist zu fragen, ob die Leistung trotz Versäumnis der Leistungszeit noch nachgeholt werden kann. Entscheidend hierfür ist das im Betrieb geltende konkrete Arbeitszeitmodell. Gegebenenfalls kann der Arbeitgeber Überstunden zur Nachholung der versäumten Arbeitszeit anordnen, ohne einen tariflichen Zuschlag zahlen zu müssen.

Bietet der Arbeitgeber die Möglichkeit an, die Spiele im Betrieb gemeinschaftlich zu schauen, sollte vorab klar geregelt werden, ob und inwieweit die so verbrachte Zeit als Freizeit gewertet wird. Insbesondere empfehlen sich klare Regeln zur Arbeitszeiterfassung.

Zusammenfassung

Grundsätzlich ändern sich die Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers während des „Ausnahmezustandes“ Fußball-Weltmeisterschaft nicht. Verbote von Radio-, TV-, Video- und DVD-Geräten sowie Alkoholverbote unterliegen der Mitbestimmung des Betriebsrats, soweit nicht bereits Gesetz oder Tarifvertrag entsprechende Regelungen enthalten.

Will der Arbeitgeber seiner Belegschaft während der Fußball-WM entgegenkommen, empfiehlt sich eine klare Kommunikation dessen, was der Arbeitgeber im Einzelfall zulassen möchte. Idealerweise sollte hier der Betriebsrat mit ins Boot geholt werden, um arbeitsrechtlich auf sicherem Boden zu stehen und gleichzeitig gemeinsam mit der Belegschaft die schönste Nebensache der Welt zu genießen.

Wenn Sie sich weiter zu diesem Thema oder anderen Fragen aus dem Bereich Employment & Benefits informieren möchten, können Sie sich gern mit den Autoren unter +49 69 79 41 2681 und unter +49 69 79 41 1701 in Verbindung setzen.

Authors

The Build a Report feature requires the use of cookies to function properly.  Cookies are small text files that are placed on your computer by websites that you visit. They are widely used in order to make websites work, or work more efficiently.  If you do not accept cookies, this function will not work.  For more information please see our Privacy Policy

You have no pages selected. Please select pages to email then resubmit.